Objekt des Monats Juli 2026
Fahrgastschiff „Adzhariya“
Unser Objekt des Monats Juli ist das Fahrgastschiff „Adzhariya“, erbaut von der Wismarer Mathias-Thesen-Werft. Die Werft war zunächst ein Reparaturbetrieb. Nach dem Bau von Hellingen und Kabelkran 1952/53 waren dann auch Schiffsneubauten möglich. Hierzu gehörten Fahrgastschiffe, die Aushängeschilder der Werft. Zunächst wurden Binnenfahrgastschiffe, kurz „Bifa“, mit Platz für 368 Passagiere für die Sowjetunion gebaut. Das erste Schiff, die „V. Chkalov“, lief am 18.07.1953 vom Stapel und wurde am 30.03.1954 abgeliefert.
Parallel zu den Binnenfahrgastschiffen wurden auch Seefahrgastschiffe gefertigt. Sie wurden „kleines Seefa“ oder „Seefa 340“ genannt, da sie für etwa 340 Passagiere vorgesehen waren. Das erste dieser Schiffe, die „Mikhail Kalinin“, lief am 25.05.1957 vom Stapel und wurde am 14.07.1958 an die Reederei abgeliefert. Dieses Modell zeigt das letzte von neunzehn Schiffen der Reihe, die „Adzhariya“. Sie lief am 30.11.1963 vom Stapel und wurde am 30.06.1964 an die Reederei abgeliefert.
Benannt war das Schiff nach der georgischen Schwarzmeerregion Adscharien. Der Heimathafen der „Adzhariya“ war Odessa. Das Schiff fuhr zunächst unter sowjetischer und danach bis zum Abwracken 1996 unter ukrainischer Flagge.
Die „Adzhariya“ war 122,15 m lang, 16 m breit und hatte eine Höhe bis zum Hauptdeck von 7,60 m. Der Tiefgang betrug 5,10 m. Das Schiff hatte ein Volumen von 5.261 BRT (rund 15.000 Kubikmeter) und hatte Platz für 314 Passagiere und 118 Besatzungsmitglieder. Es besaß zwei Restaurants, drei Salons, eine Bar und eine Bibliothek. Die vom VEB Dieselmotorenwerk Rostock in Lizenz von MAN gebauten Dieselmotoren erbrachten eine Leistung von 8.000 PS = 5.884 kW. Die Geschwindigkeit betrug 14 Knoten, etwa 26 km/h. Die Aktionsweite des Schiffs betrug 4.200 Seemeilen, was etwa 7.600 Kilometern entspricht. Das Schiffsmodell wurde vermutlich bei der Mathias-Thesen-Werft selbst gefertigt. Der Vorbesitzer Hans Haase, der von 1967 bis 2017 bei der Wismarer Werft arbeitete, erwarb es auf einem Flohmarkt in Rostock und restaurierte es. Das Technische Landesmuseum MV konnte das Modell 2023 zusammen mit zwei anderen Schiffsmodellen erwerben.er KR 50 aus dem Jahr 1963 war der erste in der DDR produzierte Kleinroller. Zwischen 1958 und 1964 wurden insgesamt 164.500 Exemplare im VEB Fahrzeug- und Gerätebau Simson Suhl gebaut. Im Gegensatz zu seiner legendären, ab 1964 produzierten Nachfolgerin – der „Schwalbe“ (KR 51) aus der berühmten Simson-Vogelserie – war der KR 50 ein reiner Einsitzer. Die Geschichte des Herstellers Simson reicht bis ins Jahr 1856 zurück. Nach einer wechselvollen und tragischen Historie, die durch die Enteignung der jüdischen Gründerfamilie im Nationalsozialismus und der späteren Umwandlung in einen VEB geprägt war, konzentrierte sich das Werk ab 1962 ganz auf Zweiräder. Während die Fahrzeuge bis heute Kultstatus genießen, überlebte die Marke die Nachwendezeit dauerhaft leider nicht; die Produktion endete endgültig im Jahr 2002.
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